
Die Ausgangssituation
Spätestens seit die Reportage Frisch auf den Müll des letzten Jahres dieses Jahr überarbeitet unter dem Namen Taste the Waste in die Kinos gekommen ist, wird die Art und Weise der Lebensmittelverwertung und Lebensmittelverschwendung in den Medien und in der Politik thematisiert und ist auch in der Bevölkerung bekannt. Schätzungsweise 50 % unserer Lebensmitteln würden nicht in unseren Mägen landen, sondern auf dem Weg dahin zu Abfall werden. Dabei ist der gesamte Weg vom Anbau über die Verarbeitung, den Transport, die Lagerung, Verkauf, Einkauf und Zubereitung gemeint.
Eigene Recherchen zeigen, dass auch in Münster viele Lebensmittel nicht ihrer gewünschten Bestimmung zu Gute kommen. Sowohl auf den Wochenmärkten als auch in den Supermärkten fallen Lebensmittel an, die durch Normabweichung, Schäden, Frischeverlust oder Überangebot nicht verkauft werden oder nicht mehr verkaufsfähig sind. Die Tafel ist bereits eifrig dabei viele der über gebliebenen Lebensmittel unter finanzschwachen Mitmenschen zu verteilen, aber dennoch bleibt viel übrig und gerade beschädigte Waren können und dürfen nicht weitergegeben werden.
Die Idee
Der erste Schritt ist das Einsammeln von Lebensmitteln, die nicht (mehr) verkaufsfähig sind, aus welchen Gründen auch immer. In sozialen Einrichtungen sollen diese ehrenamtlich zusammengetragen und verarbeitet werden, so dass bestenfalls am selben Tage noch eine Essensausgabe erfolgen kann.
Die Zielgruppe
Zielgruppe der fertigen Speisen sollen vorrangig finanzschwache Menschen sein, aber da mit dem Essen auch der Aufruf zur freiwilligen Spende erfolgt, ist jede Person eingeladen das Angebot anzunehmen. Durch wechselnde Orte und Einrichtungen möchten wir unterschiedliche Bürgerinnen und Bürger Münsters erreichen.
Die Termine
Aktionstage sind vorzugsweise Mittwoch und Samstag, aufgrund der großen Wochenmärkte; bei ausreichender Beteiligung lässt sich das Vorhaben auch auf weitere Wochenmärkte, Stadtteile und Wochentage ausweiten. Das Kochen soll gegen 15 Uhr beginnen, die Essensausgabe ist für den Zeitraum von 17:00 bis 19:00 Uhr geplant.
Die Absicht
Letztendlich soll das Ziel aber sein, dass wir Lösungen finden möchten Produzenten/Händler und Konsumenten näher zusammen zu bringen, um kürzere Wege zu schaffen und die Bedürfnisse der beiden Seiten besser aufeinander abzustimmen. Dazu gehören beispielsweise die Nutzung und Gründung von Einkaufsgemeinschaften oder gemeinschaftlich unterstützter Landwirtschaft, Abokisten, Gemüsetüten usw., aber auch alternative wirtschafts- und zahlungsweisen.
Die pro Tag gesammelten Spenden könnten jeweils einem Projekt zur Verfügung gestellt werden, das an diesem Tage vorgestellt wurde oder aufgrund von Vorschlägen wechselnd vergeben werden.
Der Zusatznutzen
Bereits das Verkochen der eingesammelten und gespendeten Lebensmittel soll einen Bildungsauftrag erfüllen und zeigen welche Köstlichkeiten sich aus unvorhergesehenen, pflanzlichen, zumeist regionalen und saisonalen Zutaten zubereiten lassen. (Die bei diesen Gelegenheiten entstehenden Rezepte werden festgehalten und zur Verfügung gestellt.)
Immer soll während dieser Veranstaltungen ein Tisch bereit stehen, der Informationen zur Situation bietet und verschiedenen Initiativen mit Themenbezug sowie Produzenten und Händlern eine Selbstdarstellung ermöglicht. Gleichzeitig können mit der Essensausgabe auch kurze Vorträge, Vorführungen, Präsentationen, Diskussionen usw. gehalten werden. So könnten beispielsweise auch Produzenten und Händler ihre Höfe, ihre Anbauweise, ihre Preisgestaltung, neue/besondere Angebote vorstellen.
Ergänzung
Doch nicht nur im Handel übrig gebliebene Lebensmittel sollen auf diesem Wege einen passenden Magen finden, sondern auch die Haushalte sind aufgerufen das mitzubringen, was bei ihnen übrig bleibt. Wurde am Vortag zu viel gekocht? Schmeckt die neue Marmelade nicht? Trägt der eigene Apfelbaum zu viel? Gleichermaßen möchten wir auch die Gastronomie und Einrichtungen wie Tagesstätten und Heime darum bitten nach Weiterverwendung von Ausschuss nachzudenken, wenn nicht schon geschehen, und sich zu beteiligen.
Je nach Menge und Zutaten wäre auch vorstellbar Speisen einzukochen und ebenfalls gegen Spende abzugeben.
Der Aufruf
Wie so oft lebt so eine Idee von Menschen, die sie tragen und verwirklichen und somit startet diese Projektvorstellung mit einem Aufruf zur Beteiligung.
Wir suchen Personen, die mehr oder weniger regelmäßig mitmachen möchten, sei es beim Organisieren, Koordinieren, Einsammeln, Mitbringen, Lagern, Kochen, Dekorieren, Informieren, Aufräumen und was sonst noch auf- und einfällt. Und sei es nur einmal pro Monat.
Wir suchen Landwirte, Produzenten, Händler, Geschäfte, Einrichtungen, die ihre Aus- und Überschüsse zur Verfügung stellen.
Wir suchen Orte, an denen in großen Mengen gekocht werden kann und die genug Platz und Ausstattung bieten, dass mehrere Menschen dort essen können.
Die gesamte Kampagne ist offen für Ergänzungen und Nachbesserungen. Jede_r ist eingeladen mitzuwirken.
Kontaktaufnahme kann über unser Formular oder über aufessen@transition-muenster.de erfolgen.
Der Anfang
Derzeit werden bereits mittwochs einige eingesammelte Lebensmittel im Don Quijote für das vegane Essen zur abendlichen, offenen Mittwochskneipe verkocht und zum Mitnehmen ausgelegt. Ebenso erfolgt eine Verteilung gegen freiwillige Spende beim monatlichen Brunch im Club Courage
Kommentare
Aufessen
Das ist eine prima Idee! Es braucht sicher viel Organisationstalent, hoffentlich habt Ihr genug Leute, die soviel Energie in das Projekt stecken können. Ich kann das leider nicht, weil meine Arbeit mir zu wenig Zeit lässt. Ich beteilige mich aber gerne soweit möglich!
Tafel & Co
Meine Position ist nicht so ganz leicht zu verstehen:
Einerseits begrüße ich sehr den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln. Die Art und Weise, wie verschwenderisch oft damit umgegangen wird, finde ich unmöglich.
Andererseits möchte ich auch Einrichtungen wie die Tafel kritisieren.
Wenn Lebensmittel kostenlos abgegeben werden, ist das nie gut. Es nimmt den Konsumenten die Würde. Ich finde, ein geringer Preis (u.U. in Form von Arbeitszeit) sollte verlangt werden, gut wäre auch, durchaus "besser Verdienende" als Klientel anzusprechen. Das erhöht das Image der Läden und die Idee wird noch klarer: Lebensmittel haben einen Wert, der über den rein finanziellen hinausgeht. Meine Eltern (Kriegsgeneration) haben mir das so beigebracht und ich finde es richtig so.
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